Trump und der internationale Aktienmarkt

Am 20. Januar war es soweit. Der neue und umstrittene amerikanische Präsident Donald J. Trump wurde am Freitag vor zwei Wochen vereidigt. Er ist damit der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Seit seinem Wahlsieg am 8. November 2016 gibt und gab es viele Spekulationen wie es weitergehen wird mit der amerikanischen Wirtschaft und den internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Wie werden sich die internationalen Aktienmärkte nach seiner Bestätigung im Amt am 20. Dezember entwickeln und wie geht es 2017 weiter?

Nach dem ersten Schock löste Trumps Wahlsieg erst einmal einen Börsenboom in Amerika aus. Besonders die Aktienkurse der Banken, denen Trump Lockerungen in der Finanzregulierung versprochen hatte, befinden sich im Aufschwung. Ebenfalls profitierten die US-Banken vom ausgezeichneten Handel mit Wertpapieren an den Finanzmärkten. Dies ist der Erwartung eines schnellen Wirtschaftswachstums mit Hilfe des angekündigten Konjunkturprogramms geschuldet.

Goldmann Sachs vervierfachte seinen Gewinn im vierten Quartal 2016, die Investmentbank Morgan Stanley verdoppelte ihren Gewinn im Vergleich zum Vorjahr.

Mittlerweile hat Donald Trump die ersten Amtshandlungen vollzogen. Mit weitreichenden Konsequenzen für Wirtschaft und internationale Beziehungen.

In der ersten Arbeitswoche setzte er als Erstes einzelne Teile des Krankenversicherungsgesetztes, der sogenannten Obamacare außer Kraft.

Als nächstes unterzeichnete er einen Beschluss zum Rückzug aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP. Bei TTP handelt es sich um die größte geplante Freihandelszone der Welt, das die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Asien stärken sollte. Nachdem Donald Trump den Fokus auf die amerikanische Wirtschaft isoliert legen möchte, stehen die Chancen für eine Fortführung der TTIP-Verhandlungen nicht besonders gut. TTIP ist ein weiteres Handelsabkommen, diesmal zwischen den USA und der EU, mit dem Ziel wirtschaftliches Wachstum zu steigern und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das Freihandelsabkommen Nafta mit den Nachbarstaaten Mexiko und Kanada, das bereits seit 1994 aktiv ist, wird ebenfalls neu verhandelt. Die geplante Mauer zwischen Amerika und Mexiko verunsichert aufs Höchste nicht nur die Zivilbevölkerung sondern ebenfalls die Unternehmen, die von Mexiko ihren Handel betreiben.

Unternehmen, die ihren Firmensitz nicht (mehr) in der USA haben und ihre Produkte in die Staaten verkaufen möchten, müssen zukünftig hohe Strafzölle bezahlen. Die Unternehmenssteuern für die amerikanischen Unternehmen sollen im Gegenzug auf fünfzehn bis zwanzig Prozent reduziert werden. Die Attraktivität ein Unternehmen in den Vereinigten Staaten zu halten soll damit erhöht werden.

Die Antrittsrede des neuen US-Präsidenten und seine seitdem getroffenen Beschlüsse dämpften erst einmal den deutschen Markt. Selbst eine gute Auftragslage der deutschen Industrie und Vorgaben der Überseebörsen setzten sich nicht am deutschen Markt durch. Die politischen Themen stehen im Vordergrund und ließen den deutschen Leitindex gestern im Minus mit 1,2 Prozentpunkten schließen. Seit der Antrittsrede am 20. Januar ging der DAX von 11.630 auf 11.509 Punkte nach unten.

Ferner  fiel der EuroStoxx50 gestern 1 Prozent. Der MDax, der mittelgroßen Unternehmen sowie der Technologiewert-Index verloren gestern 1,2 bzw. 1,3 Prozent.

Es wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen, ob Donald Trump weiter so rasant und in Alleinherrschaft ein Dekret nach dem anderen erlassen wird. Trotz der aktuellen Kursentwicklungen, stieg der DAX in den letzten drei Monaten um ca. 10 Prozent. An der Nachhaltigkeit dieser Börsenentwicklung zweifeln jedoch viele Analysten. Etliche Analysten und Kapitalmarktstrategen wie z. B. Yousef Abbasi von Jones Trading sind jedoch beunruhigt ob der hohen Aktienkurse und zweifeln an deren Stabilität.

Dem Anleger wird geraten, aufgrund der aktuellen Entwicklungen nicht emotional und hektisch am Börsenmarkt zu agieren. Mit einer möglichst breiten Diversifikation – nach wissenschaftlichen Kriterien – über Aktien, Sektoren und Länder hinweg, kann der Einfluss dieser einzelnen Faktoren verringert werden.

Insgesamt kann man sagen, dass für den wissenschaftlich investierten Anleger, Spekulationen über mögliche Marktentwicklungen irrelevant sind und dem Anleger damit eine langwierige und zeitintensive Suche nach „geheimen“ Aktientipps erspart bleibt.

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